Ihr kennt das ja sicherlich auch, dass früher grundsätzlich die Haare dann nicht richtig lagen wenn eine gute Party anstand... oder man hatte nen dicken Pickel auf der Nase wenn man endlich ein Date mit dem Schwarm der Schule ergattert hatte...
Damals hab ich gedacht, das wäre einfach Zufall!
Aber inzwischen glaube ich, dass über uns in der Abteilung "Schicksal" jemand ganz gehässig ist und mich beobachtet und sich fragt: In welcher Situation verliert sie wohl die Nerven?"
Hier nur mal ein paar Beispiele:
- Meine Schwester versuchte 4 Jahre lang Schwanger zu werden. Geklappt hat es natürlich gerade da, als ich erfahre, dass ich ein krankes Kind im Bauch habe. 6 Monate nachdem mein Sohn gestorben ist bringt meine Schwester dann einen kerngesunden Jungen zu Welt. Dieser süße Stinker ist für mich seither die größte Belastungsprobe aller Zeiten, denn immer wenn ich ihn sehe weiß ich, was meinem Sohn alles verwehrt wurde und mir steigen die Tränen in die Augen! Wieso konnte das "Schicksal" meiner Schwester nicht schon 1 oder 2 Jahre früher das zweite gesunde Kind genehmigen... ich bin mir sicher ich könnte dann heute besser mit ihm umgehen!
- Der Tag an dem ich mich das erste Mal allein an das Grab meines Sohnes getraut habe, war ein schöner Frühlingstag, die Sonne schien und ich wollte einfach mal nach dem rechten schauen. Das Grab befindet sich in einer Reihe von Gräbern die in einer "Sackgasse" endet. Als ich dort stand tauchte plötzlich ein Mann mit seinem Säugling im Arm auf und ging mit dem laut weinenden Baby genau vor meiner Reihe auf und ab. Der Mann lächelte mich an und rief zu mir rüber: "Meine Frau braucht am Grab ihrer Mutter etwas Ruhe und unsere Kleine will sich nicht beruhigen!" Ich war nicht in der Lage irgendwas zu erwiedern... ich weinte, zitterte, konnte mich kaum noch auf den Beinen halten... Das Weinen des Babys zerriss mir das Herz, denn ich konnte nur dran denken, dass ich noch nichtmal das Weinen meines Sohnes hören durfte!
- Meine zweite Ausschabung musste ich 2 Tage vor Weihnachten 2009 machen lassen. Ich war nervlich total am Ende, verzweifelt, weil wieder eine Schwangerschaft misglückt ist. Kurz vor der OP versuchte ich mich dann im "Aufwachraum" zu erholen, als direkt neben mir in den Raum (getrennt durch eine Sichtschutzwand) eine Frau mit ihrem Sohn "einzog". Der Sohn sollte wohl operiert werden und war nur am weinen weil er Angst hatte! Selbstverständlich hieß der Junge Leon! Genau wie mein Sohn! Und das letzte was ich vor der Narkose hörte, sowie das erste was ich beim aufwachen aus der Narkose hörte war: "Leon, alles wird gut!" mir zerriss das wieder mal das Herz!
- Der letzte Zufall passierte dann gestern, als mein Mann und ich essen waren. Das Lokal war ziemlich leer, alle Plätze um uns waren frei. Nach einer guten halben Stunde setzten sich neben uns 2 Frauen, beide Schätzungsweise um die 30 Jahre alt. Sie unterhielten sich über Gott und die Welt, plauderten einfach nett... Aber irgendwann schnappte ich dann bei den beiden die Worte Kind und Tod auf. Ganz automatisch stoppten mein Mann und ich unsere Unterhaltung und hörten bei den beiden Frauen mit. Sie unterhielten sich darüber, dass eine Freundin gerade ein Kind bekommen hat und dieses Kind dann plötzlich verstorben sei. Die eine Frau meinte, wie schlimm das wohl sei und die Eltern würden ihr leid tun. Die andere meinte dann aber nur noch, dass das ja gar nicht so schlimm sei, schließlich war das Kind noch nicht alt und man hatte sich ja noch nicht so dran gewöhnt und außerdem könnten die Eltern ja ein neues machen, die sind ja noch jung.
Ich bemühe mich diesen Zuschauern den Gefallen nicht zu tun!
Aber es fällt schwer!
Sehr schwer!
5 Kommentare:
Hallo meine Liebe!
Du glaubst gar nicht, wie gut ich dir nachfühlen kann. Es wäre jetzt zu viel, dir hier meine Litanei zu erzählen. Schließlich hast du grad Kummer genug. Sein Kind zu verlieren ist mit das Furchtbarste, was einer Mutter passieren kann. Ich wünsche dir ganz viel Heilung im Herzen. Eines Tages wird es ruhiger... sicher, aber vergessen kann man nie. Das soll ja auch nicht.
Ich drück dich ganz feste
Alice und der Fellschoner
Danke fürs drücken!!!
Mir sind die Tränen in die Augen gestiegen, als ich deinen Eintrag gelesen habe.
Es ist sicher mit das Schlimmste was passieren kann: sein Kind verlieren...
Tröstende Worte zu finden ist unmöglich! Ich kann dir nur viel Kraft wünschen,um mit deinem Schmerz umgehen zu können!
Ich drücke dich,
Britta
Die Zeit heilt keine Wunden, aber sie lässt sie leichter ertragen ...
Mir bleibt nix anderes als dich einfach virtuell lieb zu drücken. Das Schicksal hat es bislang nicht gut mit dir gemeint.
Ich hoffe, dass du irgendwann glücklich ein gesundes Kind in den Armen halten darfst.
Alles, alles Liebe!
Anette
So traurig wie es ist, so sind es doch Zufälle. Der Unterschied ist, dass uns solche Alltagserlebnisse früher nicht aufgefallen wären. Jetzt ist es, als stochere jemand mit einem Messer in einer offenen Wunde.
Ich kann Dich so gut verstehen. Leider.
LG Manuela
Kommentar veröffentlichen