Es begann vor 32 Jahren, ich kam als Frühchen zur Welt... meiner Mutter sagte man damals: "Gucken sie sich das Kind lieber nicht an, es überlebt sowieso nicht!"
Doch hier bin ich...
auch wenn meine Schwester sich manchmal gewünscht hat, dass der Arzt recht gehabt hätte (Geschwisterliebe), bin ich gegen allen Erwartungen zu einer stattlichen Frau herangewachsen. Zwar bin ich etwas zu klein für mein Gewicht, aber welche Frau (ob Frühchen oder nicht) kennt dieses Problem nicht.
Die ersten 25 Jahre meines Lebens verbrachte ich im Haushalt meiner Eltern, gehegt und gepflegt von den besten Eltern der Welt.
Meine Schulzeit verlief ohne Besonderheiten, ich rutschte überall so durch... sogar das Abitur hab ich nach 13 Jahren Schule bekommen... da hatte keiner mit gerechnet (ich am wenigsten) weil ich in allen Beziehungen eher faul war. Aber das Glück war wie immer auf meiner Seite.
So fand ich nach der Schulzeit auch einen guten Ausbildungsplatz und arbeite noch immer in meinem Lehrbetrieb als Bürokauffrau... nichts besonderes... aber immerhin ein Job von dem man Leben kann.
Im Alter von 25 Jahren traf ich dann im Internet auf meinen jetzigen Ehemann... ja, ich hatte wiedermal Glück und habe im AOL-Chat jemanden getroffen der ehrlich war, ist zwar selten, aber kommt vor...
Schnell zog ich aus dem Hotel Mama aus und machte es mir mit meinem Schatz und seinem Hund in einer gemeinsamen Wohnung gemütlich.
Nach etwas mehr als 3 Jahren kam dann auch der langersehnte Kniefall und die Frage: "Willst du mich heiraten?"
Klar wollte ich, schließlich hatte ich mir auch vorgenommen, vor meinem 30sten verheiratet zu sein um nicht Klinken putzen zu müssen! (Die Nordlichter werden wohl wissen was damit gemeint ist!)
Mein Lebensplan ging bis dahin komplett auf und so gingen mein Mann und ich den nächsten Punkt auf dem Lebensplan an... wir wollten nicht mehr nur unseren Hund betüddeln. Wir wollten ein Kind...
Und tatsächlich... in den Flitterwochen hatte es geklappt... ich war schwanger!
Das war ein Glück, was will man mehr...
Damals ahnte ich noch nicht, dass man nach einem positiven Schwangerschaftstest nicht automatisch 9 Monate später ein gesundes Kind im Arm hält.
Nein, frau landet dann nur automatisch beim Frauenarzt... und statt eines Ultraschallbildes bekam ich dann einen Termin für eine Ausschabung... die Schwangerschaft hielt gerade mal 10 Wochen...
Wir wollten nicht aufgeben, schließlich kann sowas immer mal vorkommen, nichts worüber man sich Gedanken machen sollte... wir sind ja jung, frisch verheiratet und glücklich, also Kopf hoch und auf eine zweite Chance hoffen!
Die Chance kam... 2 Wochen vor meinem 30sten Geburtstag hielt ich erneut einen positiven Test in Händen!!! Super Geburtstagsgeschenk.
Diesmal erhielten wir auch das heiß ersehnte Ultraschallbild von unserem Nachwuchs... unbeschreiblich wie stolz man ist auf so ein schwarz-weiß Bildchen... das Glück war zurück.
Bis zum 6.Schwangerschaftsmonat... wir fieberten dem nächsten Arzttermin entgegen, wir hofften auf Info, ob es ein Junge oder Mädchen wird... insgeheim hofften wir auf ein kleines Mädchen... als der Doc dann aber meinte: "Es wird ein Junge!" lachten wir, waren glücklich und sagten: "Ist ja auch egal, hauptsache gesund!!!" Darauf bekamen wir erstmal keine Antwort... und hörten dann nach einigen Minuten die Worte des Frauenarztes: "Da stimmt was nicht..."
Unser Sohn hatte sein Herz nicht am rechten Fleck... wie sich nach einigen Monaten herausstellte hatte er eine Zwerchfellhernie.
Mit diesen Worten "Da stimmt was nicht..." begann mein Alptraum (im September ist das zwei Jahre her) und ich hab das Gefühl, dass ich seit diesen zwei Jahren nicht mehr aus dem Alptraum erwacht bin... das Glück war lange Zeit mein begleiter...aber jetzt hab ich es schon lange Zeit nicht mehr gesehen.
Wir dachten nach der Diagnose "Zwerchfellhernie" noch, dass wir Glück haben werden... die Prognosen für unseren Sohn sahen gut aus... die Ärzte machten uns Mut!
Unser Sohn sollte zwar einen schweren Start ins Leben haben, aber er würde es schaffen, alle wahren sich ganz sicher!
Wir beschlossen ihn deshalb Leon zu nennen... Leon der Löwe, denn er musste Löwenstark sein um ins Leben zu finden.
Er fand ins Leben... am 07.01.2009 wurde er geboren.
Er war löwenstark, er hat gekämpft... aber leider waren die Prognosen falsch.
Seine Lunge hatte eine Fehlbildung... er hatte keine Chance... nach 25 Tagen auf der Intensivstation starb er in meinen Armen.
Und mit ihm starb ein Teil von mir und meinem Mann.
Und trotzdem lief das Leben weiter... und wir liefen weiter mit.
Alles ging weiter seinen Gang, ich ging wieder zur Arbeit... meine Mutter schwächelte öfters mal, meine Schwester bekam ihr zweites Kind...
Nach außen war alles in Ordnung, aber im Untergrund brodelte es überall.
Das "schwächeln" meiner Mutter stellte sich schnell als eine ausgewachsene Depression heraus, sie kam mit der ganzen Situation nicht mehr klar...
Meine Schwester konnte die Zeit mit ihrem Baby auch nicht lang genießen, denn einen Monat nach der Geburt, fiel ihrem Ehemann ein, dass er dann doch keine Lust auf Frau und Kinder hat und warf die drei deshalb kurzerhand raus.
Diese Situation belastete natürlich auch wieder meine Mutter... die Depressionen wurden stärker...
Anstatt mich auf mich selbst zu konzentrieren versuchte ich von da an meiner Mutter wieder auf die Beine zu helfen und meine Schwester zu unterstützen.
Egal wie ich mich fühlte, ich lächelte... wenn mich jemand fragte, wie es mir geht antwortete ich: "Gut!"
Ich war früher eine schlechte Lügnerin... aber inzwischen bin ich eine 1A Schauspielerin, eigentlich weiß keiner mehr wie es in mir aussieht... außer mein Mann, der weltbeste Ehemann, der immernoch tapfer an meiner Seite steht und jeden Tiefpunkt mit mir durchsteht.
Bis heute lächel ich... auch wenn ich seit dem Tod meines Sohnes erneut zweimal schwanger war und erneut zwei Ausschabung hinter mich bringen musste, da die Schwangerschaften wieder nur ca.10 Wochen
"hielten".
Die letzte Ausschabung war vor genau einer Woche.
Keiner weiß was in der letzten Woche geschehen ist, meine Mutter glaubt ich war eine Woche wegen einer Mandelentzündung krankgeschrieben.
Wir warten auf die nächste Chance... im nächsten Jahr wagen wir einen neuen Versuch...
Und bis dahin lächel ich weiter... und laufe weiter mit dem Leben mit...
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Um mit dem Leben und dem Alltag besser mithalten zu können hab ich mir vorgenommen mir hier alles von der Seele zu schreiben... ich habe das Gefühl ich ersticke sonst in den Sorgen und den Lügen, die sich um mich rum aufgebaut haben!
Gleichzeitig möchte ich hier aber auch nicht nur schwarz malen und rumjammern.
Es gibt selbstverständlich auch schöne oder nebensächliche Dinge die ich hier erwähnen werde.
Halt das ganz normale Leben... mein Leben...
Wen es nicht interessiert, der brauch hier nicht lesen!
An die anderen: Danke fürs
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Nachtrag November 2011:
Das Leben hat es nochmal gut gemeint mit uns.
Unser Sternenkind Leon hat einen kleinen Bruder bekommen:
Ende Oktober wurde Lukas geboren, gesund und munter bringt er seit dem wieder Schwung in mein Leben!
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